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Stadtradio Sangerhausen Dein Sound. Deine Stadt.
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TechnoTanica organisch. elektronisch. ekstatisch.
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TerraTanica Oase der Ruhe und Besinnung
Wenn ich heute zurückblicke, dann wirkt vieles fast wie ein Zufall. Als hätte sich alles irgendwie ergeben, ohne dass ich es wirklich geplant habe. Aber wenn ich ehrlich bin, dann war da schon früh dieses Gefühl, dass Musik mehr für mich ist als nur etwas, das man nebenbei hört. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als Kind oft einfach nur da saß und zugehört habe. Dieses alte Radio bei uns in der Küche, das lief ständig. Und irgendwann habe ich angefangen, genauer hinzuhören. Nicht nur die Melodie, sondern das, was dahinter steckt.
Ich wusste damals noch nicht, dass das der Anfang von allem war. Für mich war es einfach nur faszinierend. Diese Art, wie Musik etwas in einem auslösen kann, ohne dass man es erklären kann. Ich war vielleicht sechs oder sieben, als ich zum ersten Mal bewusst gemerkt habe: Da passiert gerade etwas mit mir. Ein Song lief, und ich hatte plötzlich dieses Gefühl, als würde jemand genau das ausdrücken, was ich selbst nicht in Worte fassen konnte.
Meine ersten Versuche, selbst Musik zu machen, waren ehrlich gesagt ziemlich chaotisch. Ich hatte ein altes Akkordeon, nichts Besonderes. Ich habe einfach drauflos gespielt, Töne gesucht, ausprobiert. Es klang oft schief, manchmal auch einfach nur schlecht. Aber das hat mich nie gestört. Für mich ging es nie darum, sofort gut zu sein. Es ging darum, etwas zu entdecken. Ich habe Stunden damit verbracht, immer wieder dieselben Tasten zu drücken, kleine Melodien zu finden und sie wieder zu verlieren.
Irgendwann wurde aus diesem Spielen etwas anderes. Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr nur neugierig bin. Ich wollte mehr. Ich wollte verstehen, warum bestimmte Töne zusammen funktionieren. Warum manche Melodien etwas auslösen und andere nicht. Und vor allem wollte ich meine eigenen Ideen festhalten. Musik wurde für mich zu einem Ort, an dem ich mich selbst besser verstehen konnte.
Natürlich gab es auch viele Momente, in denen ich gezweifelt habe. Ich glaube, das gehört dazu. Es gab Tage, da saß ich vor meinem Instrument und dachte mir: Was mache ich hier eigentlich? Reicht das, was ich kann? Hat das irgendeinen Wert? Gerade wenn man allein arbeitet, wenn niemand zuhört, dann kommen solche Gedanken ganz automatisch.
Der erste Moment, in dem sich etwas verändert hat, war ein kleiner Auftritt. Nichts Großes, wirklich nicht. Aber für mich war es riesig. Ich war unglaublich nervös. Meine Hände haben gezittert, ich hatte Angst, Fehler zu machen. Und dann habe ich angefangen zu spielen. Und plötzlich war diese Angst weg. Es war, als würde alles andere verschwinden. Es gab nur noch die Musik.
Und das Verrückte war: Die Leute haben zugehört. Wirklich zugehört. In diesem Moment habe ich verstanden, dass Musik nicht nur etwas ist, das ich für mich mache. Sie verbindet. Sie schafft etwas zwischen Menschen, das man nicht sehen kann, aber trotzdem spürt.
Ab da habe ich angefangen, ernster an meiner Musik zu arbeiten. Ich wollte nicht mehr nur nachspielen, ich wollte eigene Stücke schreiben. Am Anfang war das schwierig. Meine Ideen waren noch ungeordnet, manchmal auch widersprüchlich. Aber genau darin lag auch etwas Echtes. Ich habe nicht versucht, perfekt zu sein. Ich habe einfach versucht, ehrlich zu sein.
Es gab Phasen, in denen ich mich verloren habe. In denen ich dachte, ich müsste so klingen wie andere. Erfolgreicher, moderner, besser. Ich habe versucht, Erwartungen zu erfüllen, die gar nicht meine eigenen waren. Und jedes Mal, wenn ich das gemacht habe, hat sich etwas falsch angefühlt.
Irgendwann habe ich verstanden, dass Musik für mich nur dann funktioniert, wenn sie von mir kommt. Wenn sie wirklich etwas mit mir zu tun hat. Nicht mit Trends, nicht mit Zahlen, nicht mit dem, was gerade angesagt ist. Sondern mit dem, was ich fühle und denke.
Mit der Zeit kamen dann auch größere Möglichkeiten. Mehr Auftritte, mehr Menschen, die meine Musik gehört haben. Und natürlich ist das ein unglaubliches Gefühl. Aber es bringt auch Druck mit sich. Plötzlich geht es nicht mehr nur um die Musik. Es geht um Erwartungen, um Sichtbarkeit, um Erfolg.
Ich musste lernen, damit umzugehen. Und ich musste lernen, mich davon nicht komplett bestimmen zu lassen. Denn die wichtigsten Momente sind für mich immer noch die stillen. Wenn ich allein im Studio sitze, vielleicht mitten in der Nacht, und an einer Idee arbeite, die noch niemand kennt. Wenn ich eine Melodie finde, die sich richtig anfühlt. Das sind die Momente, in denen ich weiß, warum ich das alles mache.
Ein großer Schritt für mich war auch die Zusammenarbeit mit anderen Musikern. Am Anfang war das ungewohnt. Musik war lange etwas sehr Persönliches für mich. Etwas, das ich allein gemacht habe. Plötzlich musste ich meine Ideen teilen, diskutieren, manchmal auch loslassen.
Aber genau das hat mir unglaublich viel gegeben. Ich habe gelernt, zuzuhören. Andere Perspektiven zuzulassen. Und ich habe gemerkt, dass Musik noch viel größer wird, wenn man sie gemeinsam macht. Dass sie sich verändert, weiterentwickelt, neue Richtungen einschlägt.
Natürlich lief nicht immer alles glatt. Es gab Projekte, die nicht funktioniert haben. Songs, die ich verworfen habe. Kritik, die mich getroffen hat. Aber ich habe mit der Zeit verstanden, dass genau das dazugehört. Dass man aus diesen Momenten oft mehr lernt als aus den Erfolgen.
Eine Frage, die mich immer begleitet hat, ist die nach Echtheit. Was bedeutet es eigentlich, authentisch zu sein? Ich glaube, ich habe darauf bis heute keine endgültige Antwort. Aber ich weiß, dass ich es spüre, wenn etwas nicht echt ist. Und ich versuche, mich daran zu orientieren.
Wenn ich heute Musik mache, dann denke ich nicht zuerst daran, wie sie ankommt. Ich denke daran, ob sie sich für mich richtig anfühlt. Ob sie etwas ausdrückt, das gesagt werden muss. Alles andere kommt danach.
Das Schönste ist für mich, wenn Menschen mir sagen, dass sie sich in meiner Musik wiederfinden. Dass ein Song sie berührt hat oder ihnen in einem bestimmten Moment geholfen hat. Das sind Dinge, die man nicht planen kann. Aber sie sind der Grund, warum ich weitermache.
Wenn ich auf meinen Weg zurückblicke, sehe ich keinen perfekten Verlauf. Ich sehe viele Umwege, viele Zweifel, viele Entscheidungen, bei denen ich nicht wusste, ob sie richtig sind. Aber ich sehe auch, dass genau das notwendig war. Dass jeder Schritt, auch die schwierigen, mich dorthin gebracht haben, wo ich heute bin.
Und ich habe nicht das Gefühl, angekommen zu sein. Ganz im Gegenteil. Für mich ist Musik kein Ziel. Es ist ein Weg. Ein Prozess, der nie wirklich endet. Es gibt immer noch so viel zu entdecken, so viel zu lernen, so viel auszuprobieren.
Wenn mich jemand fragt, warum ich das alles mache, dann habe ich keine einfache Antwort. Ich mache es nicht, weil es leicht ist. Und auch nicht, weil es immer Spaß macht. Ich mache es, weil ich nicht anders kann.
Musik ist für mich kein Teil meines Lebens. Sie ist mein Leben.
Geschrieben von: admin
Akkordeon Ausdruck Authentizität Berührung Druck Echtheit Ehrlichkeit eigene Songs Emotionen Entscheidungen Erfolg erster Auftritt Experimentieren Hingabe Inspiration Keyboard Kindheit Kreativität Kritik künstlerische Identität Künstlerleben Leidenschaft Lernprozess Melodie Melodien Musik musikalische Anfänge musikalische Entwicklung Musiker nächtliche Arbeit Nervosität Perspektiven Prozess Publikum Radio Rückblick Selbstfindung Selbstverwirklichung Sichtbarkeit Studio Trends Umwege Unsicherheit Verbindung Wachstum Weiterentwicklung Zufall Zuhören Zusammenarbeit Zweifel
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